Weg mit den Kindern

Mein ältester Sohn hatte heute seinen ersten Tag im Kindergarten, was mich nach mehreren Jahrzehnten wieder mit diesem Thema konfrontiert. Und ich musste feststellen, dass sich seit den 80er Jahren so einiges verändert hat, weit mehr als leuchtende Dreiecke.

Image: FreeDigitalPhotos.net 

Zum einen ist der Kindergarten nun eine Schule: die Vorschule. Das hört sich ja schon mal nicht so spassig an. Soll aber auch nicht heissen, dass mein Kindergarten ein Zuckerschlecken war. Inzwischen veraltete pädagogische Massnahmen wie öffentliches blamieren, Kollektivstrafen, in die Besenkammer oder vor die Tür stellen lagen damals an der Tagesordnung.

Drop-in & drive-through

Was mich jedoch schockiert, sind die Schulzeiten: Drop-in ab 8 Uhr. Drop-in ist das Gegenteil von Drive-through wie man es von McDonald’s kennt. Nur wirft hier nicht ein demotivierter Student lebensverkürzenden Frass ins Fenster, sondern beruflich engagierte Väter und Mütter ihre genetischen Erzeugnisse aus dem Auto.

Das finde ich ja schon mal ganz schlimm. Es gibt ja bereits diesen Trend, seine Babys direkt in der Krippe zu gebären (siehe Jesus) und diese nur noch abzuholen, wenn man Lust hat, z.B. am Abend nach dem Badminton Training, oder am Wochenende auf dem Heimweg vom Golfplatz.

Eine Familie ist natürlich dafür da, möglichst viel Geld zu verdienen und neue AHV-Zahler herbei zu züchten.Verhalten wird über Steuern gesteuert, deshalb heisst es auch steuern. Das ‚let others raise your kids‘ Modell wird auch von der Regierung aktiv gefördert, da Familien für externe Betreuung bezahlt werden. Wer also zuhause bleibt, um die Erziehung selbst in die Hand zu nehmen, geht da leer aus und verdient dabei auch weniger.

Meiner Meinung nach sollten Doppelverdiener die externe Kinderbetreung selbst berappen, schliesslich verdienen sie  ja das Geld dafür. Soll nicht heissen, dass Alleinerziehende nicht unterstützt weden sollen. Im Gegenteil: Ein Start-up zu führen ist Peanuts dagegen.

Elfiglöggli lüütet scho

Der Unterricht beginnt dann offiziell um 8.25 und erst um 11.55 darf das Kind abgeholt werden. Das sind dreieinhalb Stunden. Wenn ich mich recht erinnere, fing mein Kindergarten um 9 Uhr an und um 11 Uhr sangen wir bereits das Elfiglöggli-Lied. Ich nehme an, das wurde inzwischen aufgrund des Textes abgeschafft.

An manchen Tagen haben die Kindergärtner im zweiten Jahr auch nachmittags Schule. Hierfür gibt es natürlich einen Hort, wo der Nachwuchs verpflegt und bis zum Unterrichtsbeginn um 14 Uhr unterhalten wird. Betrifft uns jetzt nicht – wir werden dennoch weiterhin selber kochen und für unser Kinder da sein – auch wenn wir hier auf Extra-Einkommen und den Check für externe Betreuung verzichten müssen. Denn was die anderen verpassen ist unbezahlbar.

[Edit:] Ein Freund hat mich noch auf eine Anti-These aufmerksam gemacht, worin Doppelverdiener weniger verdienen.

Laut der Studie lohnt sich ein zusätzliches Einkommen insbesondere für jene Familien nicht, die gut verdienen und zwei und mehr Kinder im Vorschulalter haben (Tabelle, Haushaltstyp II). Bei ihnen ergibt sich gemäss der Untersuchung kein oder sogar ein negativer Erwerbsanreiz – das heisst, am Ende des Monats ist entweder nicht mehr oder sogar weniger im Familiengeldbeutel als ohne das zusätzliche Einkommen. Grund dafür sind die hohen Kosten für die Betreuung und die zusätzliche Steuerbelastung durch das zweite Einkommen.

Die Studie ignoriert jedoch die Abgaben an die 1. und 2. Säule.

 

Autor: Simon

IT Security Spezialist, in Zürich aufgewachsen, zweifacher Vater und speziell interessiert am interaktiven Web, Audio Engineering und Kino. Erfahre mehr über mich und folge mir auf Twitter: @-simwep

3 Gedanken zu „Weg mit den Kindern“

  1. Wie gefaellt es denn deinem Sohn bis jetzt? Ist ihm die Zeit zu lange? Waere interessant zu wissen, was er denn davon haelt (auch nach ein paar Wochen).
    Ich will mal nicht auf die reichlich komplexe Diskussion bzgl Doppelverdiener und externe Betreuung vs. Hausfrau/-mann eingehen, ich hab ja auch noch keine Kinder.
    Aber ich finde schon gut, dass der Kindergarten die Kinder etwas mehr stimuliert als zu unseren Zeiten. Wir haben da ja nun wirklich kaum was gemacht. Konkret kann ich mich an die folgenden Punkte erinnern: Blau+Gelb=Gruen, Baukloetze in einer Mauer versetzt stapeln und dem Nachbarn keins auf den Kopf hauen. Ich hab bei Freunden im Ausland gesehen wie das dort aussieht und ich fand das eigentlich sehr nett. Es schien dass in einer angenehmen Athmosphaere spielerisch gelernt wurde, was den meisten Kindern zugefallen schien.

  2. @Werner: Es gefällt ihm sehr gut. Er hat zwar jetzt temporär neue Manieren angenommen (Schlagen, Wutausbrüche, Schubsen), kann aber jetzt besser Bilder ausmalen. Viele Kinder sind in den ersten Wochen jeweils Mittags fix und fertig und haben nur noch geheult.
    Unsere Kindergärtnerin hat uns beruhigt und gesagt, dass sich das legen wird.
    Ich möchte hier noch jemanden zitieren, der weiss wovon er spricht und den ich hier leider namentlich nicht nennen darf:

    Die Blockzeiten haben Erwachsene bestimmt, nicht die Kinder. Für die Kinder ist es zu lange.

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