Ein perfekter Mix

Ich war vor kurzem mit der Dame meines Herzens in einem Club. Die Anlage dort hörte sich schon ziemlich abgenutzt an, die Tweeter schienen überstrapaziert und der Raum hatte Resonanzprobleme im Bass.

Okay, nach einigen Gin-Tonics störte das nicht mehr und Ohren gewöhnen sich ja auch an schlechte Raumverhältnisse. Der Musikgeschmack des ersten DJs liess zu wünschen übrig, was sich in allgemeinem Rumstehen äusserte.

Tragisch war jedoch, dass an fast jedem Mix irgendwas nicht stimmte. Mal war er nicht transparent genug, mal war die Snare zu dünn oder der Attack des Kompressors bei den Overheads zu kurz.

Doch dann kamen die Foo Fighters mit „Pretender“. Sämtliche Raumprobleme schienen auf einmal wie von Zauberhand zu verschwinden, die Leute flippten aus, die Musik erfüllte jede kleinste Ecke des Raums und liess die Gefühle mitschweben.

Meine schönere Hälfte und ich fanden absolut nichts, das man an diesem Meisterstück der Mischkunst benörgeln könnte. Wir flippten ebenfalls aus, und es dauerte über eine Stunde, bis ein weiterer Mix den Club derart bezauberte.

Später fand ich heraus, dass Pretender von Rich Costey, ein Engineer den ich seit seiner Arbeit am Album Absolution von Muse bewundere, gemischt wurde.

Und hier schliesst sich der Kreis: Das zweite Zauberstück war Uprising von Muse, gemischt von Mark ‚Spike‘ Stent, der derzeit gefragteste Mixing Engineer.

Diese beiden zeigen auf, was der Unterschied von einem guten zu einem perfekten Mix ist, und wie nur sehr wenige dazu in der Lage sind. Listen and learn!

Lass Dir nicht den Ton vermischen

Wenn Deine Band einen Gig hat, lass sie nie von jemandem mischen, den Du nicht kennst. Er wird Euch sehr wahrscheinlich den Ton (und dadurch vielleicht den ganzen Gig) versauen – wenn auch nicht absichtlich (bei Contests geschieht das auch öfters mal gezielt, daher grundsätzlich zu meiden).

Diese gilt übrigens auch dann, wenn der Tonmann mit einem ganzen Lastwagen voll Equipment einfährt. Equipment kann leider kein Talent ersetzen, und Du weisst nicht, ob die Firma einfach mal eben den Lehrling geschickt hat, da ihr Top-Mann gerade an einem lukrativeren Job mischt.

Dies ist übrigens der Grund, warum erfolgreiche Bands ihren eigenen Mixing Engineer als unsichtbares Bandmitglied mitführen, was Deine Band sich ebenfalls angewöhnen sollte.

Mehr Präsenz für Vocals

Hier ein wertvoller Tipp, den man anwenden kann, um den Lead Vocals mehr Präsenz zu verleihen und der sich in der Praxis bestens bewährt hat:

Richte einen Stereo Aux-Weg ein und schalte dort einen modulierenden Pitch Shifter rein. Die Tonhöhe sollte nicht zu stark moduliert werden, ich setze als Limit meist +/-0.6 cents, z.b. -0.6 links und +0.6 rechts. Als Plug-in kann ich hier Waves Doubler empfehlen. Die Modulationsfrequenz sollte L + R ebenfalls etwas unterschiedlich sein und nicht zu schnell.

Wenn Du jetzt den Send-Regler bei den Lead Vocals aufdrehst, kommt die Stimme wie von Zauberhand nach vorne. Richtig dosiert ist dies ein Trick, auf den man nicht mehr verzichten kann!

Fünf Schritte zum Mix

Mixing ist eine kreative Arbeit, klar. Aber auch ein Maler muss erst mal Farben auf die Palette drücken, bevor er die Leinwand attackiert. Hier erfährst Du, wie man systematisch an einen Mix heran gehen kann.

1. Vorbereitung

Schau zu, dass zuerst all die langweiligen Sachen wie Editing, Anordnung und Benennung der Spuren etc. vorher machst. Beim Mischen wollen wir uns nicht ablenken lassen und flüssig arbeiten können. Mach einen Rough Mix, damit Du hören kannst, worum es geht und Du die wichtigsten Elemente identifizieren kannst. Sobald Du ahnst, wo der Song hin will, kannst Du starten.

2. Panning

Versuch ausschliesslich durch Panning und Leveling rauszuholen, was möglich ist. Panning ist ein ideales Mittel, um Maskierung entgegen zu wirken.

3. Dynamik

Jetzt solltest Du die Dynamik der Instrumente unter Kontrolle bekommen, oft wieder zurück zu Schritt 2. Einige Dynamikkorrekturen lösen wir erst in Schritt 5.

4. EQ

Aufnahmeprobleme lösen oder kreatives Sound Shaping mittels EQ ist nun an der Reihe. Wenn möglich lieber Frequenzen filtern als boosten.

5. Effekte und Riding

Der Mix sollte nun schon da sein, wahrscheinlich wirst Du wieder zu Schritt 2 gehen oder Dich nun um Effekte und Ridings kümmern.

10 Tipps für einen Killer Bass

Der Bass ist das Fundament eines Songs und gilt als eines der schwierigsten Instrumente zum Mischen. Die folgenden Tipps helfen Dir, einen Killer Bass Sound hinzukriegen.

Erst einmal vorweg: Die hier genannten Punkte sind einzelne Lösungsansätze und sollten natürlich nur bei Bedarf eingesetzt werden: Wo kein Problem ist, braucht es auch keine Lösung.

1. Korrekt aufnehmen

Der Bass sollte equivalent verteilt sein, so dass auch der Ton (Knurren) und die Saiten zu hören sind. Viele Bassisten drehen hier bei 100Hz und tiefer zu stark auf. diplomatische Empathie ist hier gefragt. Wenn möglich kann der Bass via Mikrophon und DI gleichzeitig aufgenommen werden. Der DI Track lässt die Option für Re-Amping offen, oder lässt sich mittel Track-Delays für interessante Effekte nutzen.

2. Komprimieren

Nicht tot komprimieren, eher ein tiefer Threshold und moderate Ration (1.2 – 2.0) verwenden, der Bass sollte stabil aber trotzdem noch dynamisch klingen.

3. Limiten

Wie kriegt man diesen langen, schwebenden Bass hin? Stark limiten (ständig in reduction lassen) und einen langen release wählen.

4. EQ

Schau zu, dass das Knurren vorhanden bleibt, auch auf Abspielsystemen die kaum unter 200Hz gehen (z.B. Laptop Speaker). Dann Infra nach Bedarf hinzugeben/filtern, so dass aber keine Kollisionen mit der Bass Drum entstehen.

5. Flanger

Misch wenn nötig ein ganz wenig Flanging Effekt rein, das macht den Bass runder und schwebender.

6. Bass Ducking

Über einen Kompressor mit der Pauke in der Sidechain kannst Du den Bass bei jedem Paukenschlag kurz 3db absenken. Das kann Maskierungsprobleme beseitigen und das ganze etwas grooviger machen.

7. Bus Limiting

Pauke und Bass haben sehr viel Energie, die sich stark summieren kann. Schick die beiden auf eine Gruppe und begrenze sie mit einem Limiter, der nur bei den äussersten Peaks anspricht.

8. Exciter

Exciter oder spezielle Plugins wie Waves R-Bass oder MaxBass können helfen, den Bass auf kleinen Systemen hörbar zu machen, indem sie Obertöne hinzu fügen. Unser Gehirn kann den Grundton allein aufgrund der Obertöne „hören“.

9. Level

Es ist nicht einfach, den richtigen Level zu finden, in manchen Studios gibt man zuviel SubBass, da es einfach so mächtig tönt. Versuch mal auf der Summe einen HiPass bei 200 Hz und einen LowPass bei 5kHz. Anschliessend leveln, bis der Bass hörbar ist. Wenn Du die Filter wieder rausnimmst, wirst Du evtl. merken, dass zuviele tiefe Frequenzen da sind. Als Ansatz können hier Dips bei 50 und 100Hz helfen.

10. Timing

Wenn es nicht grooved, hör Dir das Zwischenspiel von Pauke, Snare und Bass an. Manipulation im Timing oder ein paar Edits können hier helfen.

Wann ist der Mix fertig?

Bruce Swedien hat tatsächlich achzig Mischungen von Michael Jacksons Thriller gemacht. Leider 79 zuviele, aufs Album kam Mix #1. Über die Schwierigkeit, einen Mix zu vollenden.

Schön, dass es auch den Koriphäen so geht. Grundsätzlich ist ein Mix ja nie fertig: Irgendwas findet sich immer noch etwas zum tweaken. Als Mixing Engineer musst Du jedoch wissen, wann es Zeit ist, abzuspringen, um den Mix nicht zu verschlimmbessern.

Das Zauberwort heisst: Abstand. Sobald Du das Gefühl hast, der Mix ist da, zieh ihn auf ein Medium und höre ihn 2 Tage nicht mehr an. Wenn Du ihn anschliessend z.B. im Auto hörst, wirst Du schnell wissen, ob es DER Mix ist oder ob da noch was zu tun ist.

Wenn Du auch dann nicht weiter kommst, solltest Du den Song evtl. von der Pike auf neu mischen. Also Fader runter, Potis in die Mitte und sämtliche Outboards und Plugins raus. Tut anfangs ein bisschen weh, lohnt sich aber meistens in solchen Fällen.

Finger weg vom Solo Button

Ein häufiger Anfängerfehler beim Mischen ist das übermässig Benutzen des Solo Buttons. Hier erfährst Du, wie Du den Solo Button korrekt einsetzt.

Anfänger schalten eine Spur auf Solo, machen Einstellungen (z.B. EQ) bis sie finden, dass der Track jetzt optimal tönt. Sie freuen sich, schalten Solo wieder aus und schon setzt die Enttäuschung ein.

Dies hat mit dem Maskierungs-Problem (Blog hierzu folgt) zu tun. Solo ist, als würde ein Koch eine Zutat aus der Suppe fischen, abwaschen und dann probieren – absolut sinnfrei. Darum: Solo nur verwenden, wenn es absolut notwendig ist (z.B. beim Filtern von Störgeräuschen etc). Es geht uns schliesslich ums Mischen, also Spuren so zu bearbeiten, dass sie mit allen anderen zusammen optimal wirken. Der Solo-Button ist der Feind eines transparenten Mixes – also Finger weg!

Das Dilemma: Kompression auf dem Stereo Bus

Grundsätzlich ist ja wirklich alles erlaubt, was gut klingt, aber wer das Mastering Buch von Bob Katz gelesen hat, wird vermutlich behaupten, dass jede Art von Signalbearbeitung in der Summe verboten und dem Mastering vorbehalten ist.

In den meisten Fällen wird Musik beim Mastering komprimiert. Hierdurch verändert sich auch die Balance – was eigentlich Änderungen am Mix nötig machen würde. Die Lösung: in einen geeigneten Bus Compressor hinein mischen. Dadurch wirst Du die Balance (va. Bässe und Mitten) anders setzen und das Mischen wird zudem viel mehr Spass machen, da das Ganze auch schön punched.

Wichtig ist aber, den Zeitpunkt für den Insert richtig zu wählen und moderate Einstellungen zu verwenden. In der Regel aktiviere ich den Bus Compressor erst, wenn der Mix relativ weit fortgeschritten ist und es darum geht, die Feinbalance zu finden. Hin und wieder sollte der Compressor auch auf bypass gestellt werden, um einen A/B Vergleich zu machen, denn allzu stark sollte der Unterschied auch wieder nicht sein.

Beim finalen Mixdown hingegen solltest Du beide Versionen fürs Mastering ziehen. Für die Bewertung des Mixes sollte die komprimierte Version genommen werden.